((( TEACHING TEACHING & UNDERSTANDING UNDERSTANDING )))

A 19-minute short-film about teaching at University

((( watch movie | order DVD | script | contents | credits | pictures | john biggs | trivia | translations | press | calendar )))

((( back | teil 1 | teil 2 | teil 3 | teil 4 | epilog )))

TEIL 3 (6'10")

  • 3. Verstehen ((( aus der Perspektive des Wissens ))):

    Da wir gerade über Anregung sprachen, möchte ich Sie, den Zuschauer, mit folgender Aufgabe anregen.

    Betrachten Sie die folgende Zahlensystem, in dem die 'Eins' so geschrieben wird, ... die 'Zwei' so, ... usw.

    Sie haben zehn Sekunden.

    ((( Bitte merken )))

    Schreiben Sie jetzt bitte die letzten fünf Ziffern meiner Büronummer '1' '8' '7' '2' '5' in diesem Zahlensystem auf.

    Wir, Homo sapiens, sind ziemlich schlecht darin, uns willkürliche Informationen zu merken.

    Psychologen behaupten, dass unser Kurzzeitgedächtnis sich nur 7 +/- 2 willkürliche Informationen merken kann.

    Angenommen, ich würde Ihnen das folgende Raster zeigen.

    Wie Sie sehen können, befindet sich in diesem Zahlensystem

    die 'Eins' in der oberen, linken Ecke und wird darum so geschrieben,

    wohingegen die 'Acht' z.B. unten ist und deswegen so geschrieben wird.

    Jetzt können Sie vermutlich in den nächsten 65 Jahren alles Mögliche in diesem albernen System schreiben.

    Wir Menschen lernen dadurch, dass wir neue und unbekannte mit alter und bekannter Information assoziieren.

    Oder neue Information baut auf alter auf.

    In diesem Fall haben wir einfach ausgenutzt, dass Sie alle eine bestimmte, geometrische Form kennen: 'das Gitternetz' - und die Anordnung der Ziffern auf einem herkömmlichen Telefon.

    Aber beim Unterrichten von Semantik, Befruchtungstheorie, Politikwissenschaft oder Rumänischer Literatur

    kann es mitunter unklar sein, was oder wieviel die Studenten wissen.

    Wissen entsteht als Resultat der Aktivitäten des Lernenden.

    Das steht in starkem Kontrast zu der mittlerweile überholten Theorie, dass Wissen vom Lehrer zu einem passiven Lernenden übermittelt wird.

    Menschen lernen nicht durch Übermittlung

    sondern durch aktiven Wissensaufbau.

    "Lernen geschieht durch aktives Verhalten seitens des Studenten.

    Er lernt das, was er selber macht, nicht das, was der Lehrer macht."

    Allerdings ist Anregung selbst noch nicht ausreichend.

    Wir brauchen zusätzlich eine Theorie des Verstehens, um berücksichtigen zu können, was Studenten anspricht.

    Professor John Biggs hat solch eine Theorie.

    Die SOLO-Taxonomie ("Structure of the Observed Learning Outcome") unterscheidet fünf Ebenenen anhand kognitiver Prozesse, die zum jeweiligen Erreichen benötigt werden.

    Auf der untersten Ebene 1 ("pre-structural") hat ein Student keinerlei Verständnis, benutzt irrelevante Informationen und verfehlt das Thema gänzlich.

    "Eine allerletzte Prüfungsfrage: Was ist eine Kuh?"

    "Öh ..."

    Auf der Ebene 2 ("uni-structural") konzentriert sich der Stundent lediglich auf einen wichtigen Aspekt.

    Hier besitzt er die Fähigkeit eine Vorgehensweise nachzuvollziehen, etwas zu indentifizieren und/oder zu rezitieren.

    "Eine Kuh ist wenn man melkt."

    Eine Student auf der Ebene 3 ("multi-structural")

    kann mehrere verschiedene Aspekte in Betracht ziehen. Diese werden aber unabhängig voneinander behandelt.

    Er kann klassifizieren, kombinieren, aufzählen, etc.

    "Kühe geben uns Milch. Wenn sie geschlachtet werden, versorgen sie uns mit Öl, Fleisch, Fett, Knochen, ... und Leder."

    Auf Ebene 4 ("relational") kann ein Student mehrere Teile zu einem kohärenten Ganzen zusammenfügen.

    Einzelheiten werden zu einem Fazit verbunden und die Bedeutung wird verstanden.

    Er kann Dinge zueinander in Beziehung setzen, vergleichen, analysieren, etc.

    "Der wesentliche Unterschied zwischen einer Jersey- und einer Hereford-Angus-Kuh besteht darin, dass die Jersey-Kuh wesentlich mehr Milch produziert, ber erheblich kleiner ist."

    Auf der fünften und höchsten Ebene ("extended abstract")

    hat der Student die Fähigkeit, etwas über die ihm gegebene Informationen hinaus zu verallgemeinern

    und sogar neue Hypothesen oder Theorien aufzustellen, die dann hinterfragt werden können.

    "Rinder oder Kühe sind domestizierte Huftiere (Ungulata) und Mitglieder der Familie der Hornträger (Bovinae)."

    "Und mir scheint es, als seien Menschen der Hauptgrund für die Verschiedenartigkeit von Rindern,"

    "denn sie wurden aufgrund genetischer Charakteristika wie Zeichnung, Milch, Fleisch, Größe, Farbe, Verhalten, usw. ausgewählt."

    Wir bezeichnen die Ebenen 4 und 5 als tiefes Verständnis ("deep understanding").

    "Entschuldigung, ist das nicht dasselbe wie letzte Woche, außer dass...?"

    Die Ebenen 2 und 3 werden als oberflächliches Verständnis ("surface understanding") bezeichnet.

    "Halt, ist das ein Doppelpunkt oder ein Semikolon?"

***
***
***
***
***
***
***
***

((( back | teil 1 | teil 2 | teil 3 | teil 4 | epilog )))

Claus Brabrand (October 26, 2006)